Brasilien

Der Länderschwerpunkt Brasilien konzentrierte sich im Jahr 2024 auf das Thema: „Kämpfe um Territorien – Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen“. Mit verschiedenen Programmschwerpunkten sollte der Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung, indigenem Widerstand und fortbestehenden (neo-)kolonialen Strukturen beleuchtet und diskutiert werden.

Nicht erst seit dem G20-Gipfel, der 2024 erstmals in Brasilien stattfand, werden diese Themen auch in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert. Schon seit einigen Jahren ist klar, dass Brasilien als Land mit einer unglaublichen Biodiversität und einer starken, multiethnischen indigenen Bewegung, die sich für ihre Rechte und den Erhalt des Amazonasregenwaldes einsetzt, eine wichtige Rolle für eine globale klimagerechte Lösung spielt. Die Stimmen indigener Vertreter*innen, die von Jahr zu Jahr lauter auf die sich verstärkende Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes hinweisen, zeigen immer deutlicher, welche strukturellen Probleme durch die globalisierte Industrieproduktion oder auch die wachsende Fleischindustrie existieren. Der Schutz indigener Territorien und ihr Selbstverwaltungsrecht darüber, stehen dabei im Fokus der Diskussion und sind eine zentrale Forderung indigener Vertreter*innen. Diesen Stimmen und Forderungen eine Plattform zu geben, hat sich das Ökubüro auch in diesem Jahr zum Ziel gesetzt. So konnten betroffene Aktivist*innen aus Brasilien direkt über die Situation ihrer Gemeinden berichten, die zwar lokal mit unterschiedlichen Problemen konfrontiert sind, aber immer wieder auf Gemeinsamkeiten bei strukturellen Landkonflikten, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung hinweisen. Ein wichtiges Ziel der Brasilienarbeit des ÖkuBüros war es daher, diese Zusammenhänge durch Diskussionen, direkten Austausch mit Betroffenen, Bildungsveranstaltungen und Vorträgen greifbar zu machen. Im Mittelpunkt stand dabei die gemeinsame Erarbeitung von Lösungsansätzen, die globale Klimagerechtigkeit zum Ziel haben und dabei die Interessen der betroffenen Menschen berücksichtigen.

 

Hybridveranstaltung zu Landraub und Widerstand in Brasilien

Am 21. November 2024 fand eine gut besuchte Hybridveranstaltung zum Thema „Landraub und Widerstand: Gewalt gegen Indigene in Brasilien“ statt. Das Online-Panel mit Tuxaua Filipe Gabriel Mura, einem Vertreter der Mura-Gemeinschaft, und João Vitor Lisboa Baptista, Rechtsberater des CIMI bot den inhaltlichen Rahmen. Die Referenten stellten den aktuellen Jahresbericht des CIMI zur Gewalt gegen Indigene vor und berichteten über den Widerstand der Mura, die über große ländliche und urbane Gebiete verteilt leben und gegen den geplanten Bergbau in ihrem Territorium kämpfen.

Tuxaua Filipe Gabriel stammt aus der Gemeinschaft Lago do Soares, die weniger als zwei Kilometer von einem geplanten Kalibergwerk entfernt liegt. Im Rahmen einer Advocacy-Tour durch Deutschland und die Schweiz machte er auf die Bedrohung der Mura und anderer indigener Gruppen aufmerksam. Sein Fall verdeutlicht die Notwendigkeit verbindlicher internationaler Regularien, um Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen durch multinationale Unternehmen zu verhindern. Die Veranstaltung betonte, dass trotz politischer Fortschritte viele indigene Territorien weiterhin Bedrohungen ausgesetzt sind. Die Referenten beleuchteten nicht nur die Herausforderungen, sondern auch konkrete Lösungsansätze für den Schutz indigener Rechte. Mit rund 80 Teilnehmenden bot die Veranstaltung einen wichtigen Raum für Austausch und Sensibilisierung.

Weitere Brasilien-Aktivitäten

Im Oktober 2024 wurde die Online-Reihe „Raus aus den (neo-)kolonialen Schulden“ durchgeführt. Ein Workshop und ein Vortrag mit anschließender Diskussion thematisierten, wie ein gerechteres globales Finanzsystem zu mehr Klimaschutz beitragen kann. In Kooperation mit der Gruppe Debt for Climate wurde aufgezeigt, dass viele Länder des globalen Südens hohe Summen für Schuldentilgung aufbringen müssen, während dringend benötigte Klimaschutzmaßnahmen unfinanziert bleiben. Brasilien diente als Beispiel für diese Problematik.

Ein weiteres zentrales Thema im Jahr 2024 war die Auseinandersetzung mit dem Dammbruch einer Eisenerzmine in Brumadinho im Januar 2019, bei dem über 270 Menschen starben. Eine Podiumsdiskussion und Protestaktion vor der Zentrale von TÜV Süd im Mai machten auf die Straflosigkeit der verantwortlichen Unternehmen aufmerksam. Die deutsche Zertifizierungsfirma hatte den Damm zuvor als sicher eingestuft, obwohl große Mengen giftigen Minenschlamms in den Fluss Paraopeba gelangten und das Trinkwasser gefährdeten. Angehörige der Opfer erstatteten bereits 2019 in Kooperation mit ECCHR und Misereor Anzeige gegen TÜV Süd, doch seit fünf Jahren prüft die Münchner Staatsanwaltschaft den Fall ohne Entscheidung über eine Anklage.

Während der Diskussion berichteten Betroffene über die katastrophalen Folgen des Bergbaus in ihren Regionen. Thematisiert wurden zudem Widerstandsstrategien indigener Gemeinschaften, laufende Gerichtsverfahren zur Durchsetzung von Gerechtigkeit sowie unternehmerische Sorgfaltspflichten in globalen Lieferketten

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