"Toxi-Tour" in Mexiko beendet, die eigentliche Arbeit beginnt

Karte: Karawane "Toxi-Tour": Knapp 1.300 Kilometer und acht Tage Anschauungsunterricht zu den Umweltverbrechen transnationaler und mexikanischer Unternehmen
Karawane "Toxi-Tour": Knapp 1.300 Kilometer und acht Tage Anschauungsunterricht zu den Umweltverbrechen transnationaler und mexikanischer Unternehmen

Eine internationale Karawane tourte durch Mexikos "Umwelthöllen" und besuchte sechs Brennpunkte der Umweltzerstörung durch Konzerne
Von Peter Clausing
amerika21

Karawane "Toxi-Tour": Knapp 1.300 Kilometer und acht Tage Anschauungsunterricht zu den Umweltverbrechen transnationaler und mexikanischer Unternehmen

El Salto et al. Vom 2. bis 11. Dezember ist eine internationale Bus-Karawane von El Salto im Bundesstaat Guadalajara bis nach Coatzacoalcos an der Golfküste in Veracruz gereist. Zu den über 30 Teilnehmern zählten Aktivisten aus Mexiko, Argentinien, Peru, der Europäischen Union und den USA, aber auch Wissenschaftler, eine US-amerikanische Senatorin, zwei EU-Parlamentarierinnen und ein Vertreter des baskischen Parlaments. Die Karwane suchte sechs Brennpunkte der Umweltzerstörung durch transnationale Unternehmen und ihre Auftragnehmer auf.

Die Tour knüpfte an die Ergebnisse der 4. Tisches (Recht auf gesunde Umwelt) des 2013/2014 in Mexiko durchgeführten Permanenten Völkertribunals an. Es fanden Treffen mit den lokal Betroffenen sowie Kundgebungen vor den Toren des deutschen Volkswagen Konzerns und des Schweizer Zementkonzerns Holcim. Vertreter der Basisorganisationen legten Zeugnis von den Verwüstungen ab und kritische Wissenschaftler belegten die von ihnen ermittelten Auswirkungen mit entsprechender Akribie. Es entstand Fassungslosigkeit angesichts der herrschenden Zerstörung. Zugleich bekräftigten alle Beteiligten ihren festen Willen, die Sache so lange nicht ruhen zu lassen, bis vor Ort Verbesserungen eingetreten sind.

Beim Abschlusstreffen mit Umweltminister Victor Manuel Toledo am 11. Dezember kamen Vertreter der Basisorganisationen der sechs besuchten Orte zu Wort. Dabei wurde mehrfach die Forderung erhoben, einen sofortigen Umweltnotstand auszurufen.

An den Stationen der Karawane El Salto (Jalisco), Dolores Hidalgo (Guanajuato), Apaxco (Estado de México), Tlaxcala (Tlaxcala), Puebla (Puebla) und Coatzacoalcos (Veracruz) ähnelten sich die Probleme: Der schleichende Tod in Form von vermehrt auftretenden Krebserkrankungen, chronischem Nierenversagen und anderen gravierenden Krankheiten. Die Auslöser waren zum Teil unterschiedlicher Natur. So führt die Übernutzung des normalen Grundwassers dazu, dass "altes", mit Arsen kontaminiertes Grundwasser aus hunderten von Metern Tiefe an die Oberfläche gelangt. Doch für die Gesundheit der betroffenen Menschen macht es keinen Unterschied, ob die Arsenvergiftung durch den massiven Wasserverbrauch der Automobilindustrie in Puebla hervorgerufen wird oder durch eine bewässerungsintensive, exportorientierte Landwirtschaft in Guanajato, dem Heimatbundesstaat des ehemaligen Präsidenten Vicente Fox (2000 ‒ 2006).

Seit dem 28. November 2014 liegt der mexikanischen Regierung die seitdem mehrfach wiederholte Bitte des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen vor, einen erneuten Besuch des UN-Sonderberichterstatters zu Auswirkungen von Umweltverschmutzung auf die Menschenrechte zu genehmigen. Trotz vorliegender Dringlichkeit wird dies bis heute blockiert. Die faktische Abschaffung von Umweltgesetzen, die in Mexiko während der letzten 25 Jahre mit der Ansiedlung ausländischer Industrieunternehmen und ihrer Zulieferer einherging, ist eine eindeutige Folge der Freihandelsverträge mit Ländern der EU sowie den USA und Kanada.

Andres Barreda, von der Nationalen Versammlung der Umweltgeschädigten (Asamblea Nacional de Afectados Ambientales), der die Karawane zusammen mit dem in Amsterdam ansässigen Transnational Institute organisierte, verwies darauf, dass das stille Sterben von Hunderttausenden in den Industriegürteln von Mexiko medial kaum Beachtung findet, im Gegensatz zu den Opfern des gewaltsamen Verschwindenlassens und den Migranten. Eine engagierte Nachbereitung der "Toxi-Tour" soll an diesem Zustand etwas ändern. Dazu will die deutsche Teildelegation, bestehend aus Vertretern von México via Berlín, dem Ökumenischen Büro München und dem Zentrum für Entwicklungsbezogene Bildung in Stuttgart beitragen.

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