Kolumbianische Polizei lässt zwei junge Männer gewaltsam verschwinden

MÜNCHEN. (oeku-buero 19.Dezember 2019) Zwei junge Männer, Carlos Felipe Adarme Quinchua und Marco Tulio Cortés Viveros, wurden die am 23.11.2019 in der Nähe von El Bordo/Patía (Departement Cauca, Kolumbien) von drei kolumbianischen Polizisten in ein Privatauto gezerrt und an einen unbekannten Ort gebracht. Die beiden lokal bekannten Gemeindeaktivisten sind bis heute spurlos verschwunden. Die Polizisten weigern sich bisher, etwas über ihren Verbleib auszusagen. Nachbar*innen, Familienangehörige und Freund*innen suchen bisher vergeblich nach Carlos Felipe und Marco Tulio. Sie haben eine Eilpetition gestartet, um aufzuklären, was mit den beiden passiert ist.

Bitte unterschreibt die Online-Petition, leitet sie weiter und teilt sie auf Euren Kanälen:
http://chng.it/2Dgy2XVRfD

 

Hintergrund

Die beiden Freunde Carlos Felipe Adarme Quinchua und Marco Tulio Cortés Viveros waren am 23.11.2019 nachmittags gegen 15:30 Uhr mit dem Motorrad auf dem Weg aus der Stadt Popayán zurück in ihr Heimatdorf Sucre, Cauca. In der Nähe von El Bordo/Patía wurden sie einem Gebiet, das als „La Lupa“ bekannt ist, von drei Polizisten der kolumbianischen Polizei gestoppt und Augenzeug*innen zufolge in einem schwarzen Toyota-Pickup 4.5 weggebracht. Ein Rucksack der beiden und das Motorrad mit Schlüssel wurden später an der Straße am Ort des Verschlepptwerdens gefunden.

Einer der drei Polizisten soll sich, nach der Rückkehr des schwarzen Toyota Pick-Up - ohne Carlos Felipe und Marco Tulio - nach El Bordo in der dortigen Polizeistation das Leben genommen haben. Es ist der zweite angebliche Selbstmord eines Polizisten dort in diesem Jahr. Die beiden Kollegen des Toten wurden am 7. Dezember verhaftet und sitzen seitdem im Gefängnis in Popayán. Sie verweigerten die Aussage.

Carlos Felipe und Marco Tulio waren sozial engagiert und in der erfolgreichen Wahlkampagne für die neue Bürgermeisterin ihres Heimatdorfes aktiv, die am 1. Januar 2020 ihr Amt antritt. Sie wirft ihrem Vorgänger Korruption vor und wurde von ihm wegen Verleumdung angezeigt. Beobachter*innen vor Ort gehen davon aus, dass das gewaltsame Verschwindenlassen der beiden Aktivisten politische Gründe haben könnte und warnen vor einem Rückfall in die dunkelsten Zeiten schwerer Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien mit über 83.000 gewaltsam verschwundengelassenen Menschen.

Bewohner*innen der Gemeinden El Bordo und Sucre haben das ganze Gebiet nach Spuren von Carlos Felipe und Marco Tulio abgesucht. Bisher vergeblich. Gemeinsam mit den Familienangehörigen fordern sie von den kolumbianischen Behörden Aufklärung und Ermittlungen - auch gegen mögliche Auftraggeber des gewaltsamen Verschwindenlassens.

Carlos Felipe hatte für den 4.Dezember eine Reise nach Deutschland geplant, von der viele Freunde und Nachbarn wussten. In Deutschland haben Freund*innen auf ihn gewartet. Er wollte das Land kennen- und Deutsch lernen, vielleicht sogar eine Zukunft in Deutschland aufbauen. Seine Freund*innen bitten auch die Bundesregierung und deutsche Politiker*innen sich bei den kolumbianischen staatlichen Stellen für die Aufklärung des gewaltsamen Verschwindenlassens von Carlos Felipe Adarme Quinchua und Marco Tulio Cortés Viveros einzusetzen. Das Ökubüro schließt sich dieser Bitte an.


Veröffentlichungen zum Fall in kolumbianischen Medien auf Spanisch:

- https://noticias.caracoltv.com/valle/capturan-dos-policias-que-habrian-participado-en-la-desaparicion-de-dos-lideres-sociales

- https://www.proclamadelcauca.com/capturan-policias-implicados-en-desaparicion-forzada/

- Video: https://binged.it/35zd3ze

Weitere Infos zur aktuellen Lage in Kolumbien:
https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/der-buergerkrieg-kehrt-zurueck-warum-die-angst-kolumbien-wieder-im-griff-hat/25340838.html

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