Kriminelle Strukturen im Dienste des Staates und das gewaltsame Verschwindenlassen von Garífuna in Honduras

Die Garífuna-Gemeinde Triunfo de la Cruz fordert, dass die Verschwundengelassenen lebend zurückgebracht werden
Die Garífuna-Gemeinde Triunfo de la Cruz fordert, dass die Verschwundengelassenen lebend zurückgebracht werden - und die Achtung ihrer Landrechte. Bildquelle: OFRANEH

(KOMMUNIQUÉ VON OFRANEH). In den frühen Morgenstunden des 18. Juli 2020 wurde die friedliche Stille in der Garifuna-Gemeinde von Triunfo de la Cruz in der Bucht von Tela an der honduranischen Karibikküste zerstört, als über zehn schwer bewaffnete Männer - in Bekleidung der Militärpolizei (PMOP) und andere mit Westen mit den Insignien des Departements der Untersuchungspolizei (DPI) – gewaltsam in Haus des Gemeindevorstehers Alberth Snaider Centeno eindrangen. Er und drei weitere Bewohner des Ortes wurden gewaltsam aus ihren jeweiligen Häusern gezerrt und sind nmehr als zehn Tage später noch immer verschwunden.

Der Staat will den einzigen bisher in diesem Fall Festgenommenen demnächst wieder freilassen.

Aus diesem Grund weisen wir mit großer Dringlichkeit auf Folgendes hin:

  1. VERACHTUNG FÜR DAS LEBEN DER GARIFUNA. Die Aggressionen und die Verachtung für das Leben der Garifuna haben zugenommen, seit der honduranischen Staat am 8. Oktober 2015 in den Fällen der Gemeinden Punta Piedra und Triunfo de la Cruz vom Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte (IACHR) in Kenntnis gesetzt wurde. In beiden Fällen ordnete der Gerichtshof an, dass der Staat die Unternehmen der Tourismusindustrie sowie Dritte, die sich das Land und die Gebiete der Garífuna widerrechtlich aneignen, enteignen und das Land die rechtmäßigen Eigentümer, d.h. die Gemeinden, zurückgeben muss.
  2. DER STAAT WEIGERT SICH, DEM IACHR-URTEIL NACHZUKOMMEN. Der Staat weigert sich, dem Urteil nachzukommen und hat stattdessen sein Bündnis mit kriminellen Strukturen aktiviert, um die Leitungspersonen der Garifuna-Gemeinden ausfindig zu machen, zu verfolgen, zu entführen, verschwinden zu lassen und zu ermorden.
  3. WIR FORDERN, DASS DER TATVERDÄCHTIGTE NICHT FREIGELASSEN WIRD. Diese kriminelle Struktur nährt sich aus der im Staat vorherrschenden Korruption und Straflosigkeit. Aus diesem Grund warnen und fordern wir heute, dass der Verdächtige, alias der "Gringo", der am 22. Juli in der Kolonie Las Palmas in der Gemeinde Tela verhaftet wurde, nicht freigelassen wird. Er war im Besitz von Militärkleidung, Handschellen zur Ruhigstellung von Personen und drei Schusswaffen. Diese Beweise sind ausreichend, um diese Person in Untersuchungshaft zu nehmen und ihre Beteiligung an der Entführung und dem gewaltsamen Verschwindenlassen von Garífuna-Aktivisten aufzuklären.
  4. INFORMATIONEN AUS ERSTER HAND. Nach den Informationen, die wir aus sehr zuverlässigen Quellen erhalten haben, will der Staat in einem Akt der Komplizenschaft in den nächsten Stunden den einzigen inhaftierten Verdächtigen mit dem Argument mangelnder Beweise freilassen. Diese Aktion ist nicht nur ein Beweis für die Beteiligung krimineller Strukturen des Staates, sondern gefährdet auch das Leben der übrigen Bevölkerung von Triunfo de la Cruz.
  5. DIE WEIGERUNG DES STAATES. Diese ausdrückliche Weigerung des Staates, gegen den festgenommenen Verdächtigen zu ermitteln, der im Besitz von Beweismitteln ist, die ihn direkt mit der Tat in Verbindung bringen, sowie die Weigerung, Informationen über den Verbleib der Führungspersonen und der weiteren verschwunden gelassenen Garífuna zu geben, bestätigt die Verantwortung des Staates für das gewaltsame Verschwindenlassen dieser Personen. Sie wurden von staatlichen Kräften selbst oder mit staatlicher Erlaubnis oder Unterstützung gepackt, ihrer Freiheit beraubt, entführt und festgehalten.

WIR WOLLEN SIE LEBEND ZURÜCK!

DIE GARÍFUNA-BEVÖLKERUNG IN AUFRUHR

OFRANEH (Organización Fraternal Negra Hondrueña) 27.7.2020

Übersetzung: CADEHO/Ökubüro

ORIGINAL: https://ofraneh.wordpress.com/2020/07/28/estructura-criminal-al-servicio-del-estado-y-la-desaparicion-forzosa-de-los-garifunas-en-honduras/

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