Editorial

Schwerpunkt: zuhören

Liebe Leserinnen und Leser,

im Rahmen unseres Selbstverständnisses, soziale Bewegungen in Mittelamerika solidarisch zu unterstützen und interessierte Menschen hier über die dortigen Entwicklungen zu informieren, ist Zuhören für uns von zentraler Bedeutung. Der Artikel „Warum wir schwerhörig sind“ versucht, verschiedene Aspekte des Themas zu beleuchten und interpretiert Kommunikation als Machtverhältnis.

In dem Artikel „Nicaragua zuhören“ reflektieren wir am Beispiel des Wandels unserer Einschätzung der Politik der FSLN im Laufe der vergangenen 25 Jahre das Selektive beim Zuhören. Der Artikel stellt sich kritisch die Frage „Wem hören wir zu und was bewirkt dies bei uns?“ Bei dem Artikel „Zuhören und Selbstbemächtigung“ von Brigitte Hauschild und dem Interview mit Vertreterinnen der nicaraguanischen Organisation „Aguas bravas“ geht es um die Bedeutung des Zuhörens bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs.

Das Manifest der Anderen Kampagne setzt sich auseinander mit dem Kampf zwischen Oben und Unten: anstatt den Oberen zuzuhören, ziehen es die Unteren vor, sich selbst zuzuhören.

Seit dem 1. Juni 2009 amtiert in El Salvador mit Mauricio Funes ein neuer Präsident. In den Wahlen im März siegte er für die FMLN und beendete damit eine zwanzigjährige Herrschaft der rechten ARENA-Partei. Einen Eindruck von der Umbruchs- und Aufbruchsstimmung, die nach diesem historischen Wahlsieg in El Salvador herrscht, vermittelt der Artikel „Tropischer Obstsalat“ von Ulf Baumgärtner.

Seitdem Daniel Ortega in Nicaragua wieder Präsident ist, war unsere Berichterstattung dazu überwiegend kritisch. Diesmal kommt mit Douglas Moran vom Movimiento Comunal jemand zu Wort, der die Politik der Regierung Ortega von deren positiven Auswirkungen auf die Landbevölkerung her beurteilt. Wobei wir seine Meinung nicht in allen Punkten teilen. Ganz anders ist die Einschätzung von Carlos Ruiz, der auch beim Movimiento Comunal engagiert ist. Sein Artikel „Kritik und Befürchtungen gegenüber der Regierung Daniel Ortegas“ finden wir sehr bemerkenswert, weil Carlos Ruiz von einem dezidiert linken Standpunkt ausgehend zu einer strikten Ablehnung der FSLN unter Daniel Ortega kommt.

Mexiko hat es in den letzten Monaten auch bei uns wieder einmal in die Schlagzeilen geschafft. Dies hat es der von der WHO als Pandemie eingestuften Schweinegrippe zu verdanken. Dass es dabei in Mexiko nicht nur um Gesundheitspolitik geht, war den Nachrichten bei uns nicht zu entnehmen. Der Artikel „Schweinegrippe Pandemie: Sind wir Mexikaner schuld?“ beleuchtet das Phänomen Schweinegrippe unter dem Aspekt der Menschenrechte in einem Land, das seit langem mit täglichen Morden und Straflosigkeit leben muss.

Mit dem Artikel von Eva Bahl „Antisemitismus in der lateinamerikanischen Linken“ möchten wir ein Problem ansprechen, das über unseren eigenen Interessensraum Mittelamerika hinaus weist. Das Thema ist mit diesem Artikel nur angerissen, wir werden darauf zurückkommen.

Das Interview mit Jürgen Wagner zur Militarisierung der Entwicklungszusammenarbeit soll in den neuen Arbeitsschwerpunkt „EU-Außenpolitik“ des Ökumenischen Büros einführen. Wir wollen damit auch auf das von uns im Herbst geplante Seminar zu diesem Thema hinweisen.

Wir danken Julia Jäckel für das Titelbild

 

Das Redaktionskollektiv

 

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