Bericht vom El Salvador-Bundestreffen 2006 in Leipzig

(ah) Bereits vor mehreren Jahren gab die Interamerikanische Entwicklungsbank der salvadorianischen Regierung einen Kredit, der die Dezentralisierung der Wasserversorgung zur Bedingung hatte. Das ist verbale Kosmetik. Damit ist nichts anderes gemeint als die Privatisierung des Wassers. Denn bereits seit den 1990er Jahren haben internationale Finanzinstitutionen durch Strukturanpassungsmaßnahmen die Privatisierung von Wassersystemen in Lateinamerika vorangetrieben. Doch nach den Erfahrungen in Cochabamba, Bolivien 2000 vermeidet die Interamerikanische Entwicklungsbank das Wort „Privatisierung“ und zieht es seitdem vor, von „Dezentralisierung“ und „Konzessionierung“ zu sprechen. Auch die deutsche Entwicklungsbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) treibt die sogenannte Dezentralisierung der Wasserversorgung in El Salvador voran. Doch nach den schlechten Erfahrungen, die die Bevölkerung in El Salvador bisher mit der Privatisierung von staatlichen Dienstleistungen gemacht hat, gibt es nun eine breit angelegte Mobilisierung gegen die drohende Wasserprivatisierung.

Widerstand gibt es auch gegen ein anderes Projekt der salvadorianischen Regierung. Dabei handelt es sich um den Bau von mehreren Staudammprojekten, von denen das Fortgeschrittenste El Chaparral in Departement San Miguel ist. Die Staudammprojekte zur Energiegewinnung stehen im Zusammenhang mit SIEPAC, dem zentralamerikanischen Stromnetz, einem Bestandteil des Plan Puebla Panamá (PPP). PPP und SIEPAC zielen darauf ab, die zentralamerikanische Energieproduktion mittels eines Staudammsystems zu steigern, sowie die zentralamerikanischen Stromnetze für den besseren Export miteinander zu verbinden. Um eine Verbesserung der Stromversorgung der Haushalte in El Salvador geht es dabei nicht; die erzeugte Energie wird in die Maquilas und in den Export fließen. Die Kosten hierfür werden vor allem die arme, ländliche Bevölkerung und die Umwelt tragen.

Das diesjährige Bundestreffen der El Salvador-Solidaritätsgruppen in Leipzig beschäftigte sich mit diesen zwei besonders aktuellen Aspekten der allgemeinen Wasserproblematik. Wilfredo Romero, Generalsekretär der Gewerkschaft SETA des nationalen Wasserversorgers ANDA und Luis Rivera, Aktivist im Widerstand gegen das Staudammprojekt El Chaparral in San Miguel führten die rund 50 TeilnehmerInnen des Bundestreffens in die jeweiligen Problematiken ein und machten anschließend eine zweiwöchige Informations-Rundreise durch die BRD und die Schweiz. Im Folgenden sind zwei Interviews mit den Referenten abgedruckt.

 

Interview mit Luis Rivera


Interview mit Wilfredo Romero


(ah)
Bericht vom El Salvador-Bundestreffen 2006 in Leipzig
Erschienen in: Info-Blatt 69  des Ökumenischen Büros
München
Dezember 2006

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