Honduras: 10 Jahre Putsch - 10 Jahre Widerstand

Am 28. Juni 2019 jährt sich der zivil-militärische Putsch in Honduras gegen die linksliberale Regierung von Mel Zelaya zum zehnten Mal. Unter tätiger Mithilfe der USA und dem schweigenden Zusehen der "internationalen Gemeinschaft" wurden die demokratischen Institutionen des Landes seither systematisch ausgehöhlt. 10 Jahre nach dem Staatsstreich befindet sich Honduras in einer der größten politischen und humanitären Krisen seiner Geschichte. Aktivist*innen sozialer Bewegungen, kritische Journalist*innen und Anwält*innen werden verfolgt, verhaftet, kriminalisiert und ermordet. Auf der Suche nach Sicherheit und Überlebensmöglichkeiten fliehen Tausende verarmter Honduraner*innen in Karawanen Richtung Norden.

Wir veröffentlichen nun jeden Tag ein Bild und Zitat: Schlaglichter auf die honduranische Realität zehn Jahre nach dem Putsch, aus der Perspektive des zivilgesellschaftlichen Widerstands. Zusammengestellt von unserem Netzwerk HondurasDelegation.

Mehr Informationen über den Staatsstreich und die Folgen, sowie viele der Zitate zum Anhören, gibt es hier:

Nachrichtenpool Lateinamerika: Honduras: 10 Jahre nach dem Putsch
von Jutta Blume

Bananenrepublik 2.0

Honduras’ Weg in die politische und humanitäre Krise

Als der damalige Präsident von Honduras, Manuel Zelaya, am 28. Juni 2009 die Bevölkerung zu einer Verfassungsgebenden Versammlung befragen wollte, putschte die konservative Elite mit Hilfe des Militärs. Zehn Jahre danach steckt das Land noch immer in einer tiefen Krise. Armut, Gewalt und Korruption prägen den Alltag. Wie reagiert die Bevölkerung?

von Kirstin Büttner und Daniela Dreißig, in iz3w N°373

Die Erhöhung des Mindestlohns, Zuschüsse für Kleinbauern und -bäuerinnen, Eingriffe in die Zinspolitik der Banken und der Beitritt zur lateinamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ALBA hatten Zelaya Sympathien großer Bevölkerungsteile eingebracht. Die konservativen Eliten hingegen stellten sich gegen ihn und schürten Ängste vor dem Chavismus und einem drohenden Kommunismus. Mit Rückendeckung der USA führten sie vor zehn Jahren einen Militärputsch durch. Als Parlamentsvorsitzender übernahm Roberto Micheletti, ein Vertreter der traditionellen Unternehmerschaft, die Regierungsgeschäfte. Nach zwanzig Jahren des Stillhaltens kam auch das Militär wieder zum Zuge, das die honduranische Gesellschaft seit den 1960er Jahren autoritär geprägt hatte. Heute sichert die Armee in fast allen gesellschaftlichen Bereichen ihre Interessen. Der unter Führung des Präsidenten stehende Nationale Sicherheitsrat koordiniert seit 2011 alle Justiz-, Polizei- und Militäraktionen in einer einzigen Instanz. Die 2013 gegründete Militärpolizei hat Aufgaben der »öffentlichen Ordnung« übernommen, ist aber vor allem für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Die Ausgaben für den Verteidigungshaushalt haben sich in den letzten zwölf Jahren vervierfacht.  Die anfangs einhellige Ablehnung des Putsches durch die ‚internationale Gemeinschaft‘ ging schnell in eine Verständigung mit der neuen Führungsriege über. Schon bald wurden wieder Abkommen geschlossen und Entwicklungsgelder gezahlt.

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